6/26 Reich wie nie / mehr Unternehmertum / € für die Demokratie

Hallo! Du liest Das Neue Geben mit aktuell 6,787 anderen. 📖 Diese Ausgabe vom Montag, 22. Juni 2026 hat 1.662 Wörter · Lesezeit ~8 Minuten


Liebe Lesende,

heute feiere ich einen runden Geburtstag. Und diesmal spüre ich den Kontrast zwischen Zahl und Lebensgefühl besonders deutlich: Ich fange doch gerade erst an, will eine Welle reiten, die ich erst selbst herbeipusten muss.

Aber ich glaube, so fühlt sich Unternehmertum eben an. Und gerade lerne ich so viel darüber wie noch nie zuvor. Denn: Es gibt jemand Neues in meinem Leben. Seit einigen Monaten prägen mich die tiefen Gespräche mit anderen Gründer:innen der Entrepreneurs’ Organisation.

Diese und viele andere Gespräche inspirieren diesen Newsletter zum Unterschied zwischen Unternehmertum und Vermögensverteidigung. Im Essay und neulich im Handelsblatt werde ich dazu leidenschaftlich. Und damit es nicht beim Appell bleibt, teile ich heute viel Konkretes zur Mobilisierung der nächsten Generation von Gebenden und zum Einsatz von Vermögen für die Demokratie. Ich freue mich auf Eure Rückmeldungen!

Herzlich,

Felix

PS: Beim German Startup Award haben Eure Stimmen für den zweiten Platz hinter einem großartigen Sieger gereicht, vielen Dank! Umso mehr freut sich das bcause-Team über den Preis als transformativstes Sozialunternehmen Berlins. 🎉


✍️ ESSAY: Reichtum und Unternehmertum

Bild: Unter Unternehmer:innen bei der Entrepreneurs’ Organisation

Wer wie ich über Vermögen in unserer Gesellschaft spricht, wird schnell in eine von zwei Schubladen gesteckt: Entweder dafür oder dagegen. Und seit meinem letzten Essay (über das Stiften, mit viel Resonanz beim Deutschen Stiftungstag) sind Zahlen erschienen, die geradezu zur Positionierung zwingen.

Laut World Wealth Report ist die Zahl der Millionäre in Deutschland um elf Prozent gestiegen, ihr Vermögen um 12,7 Prozent. Deutlich mehr als im globalen Durchschnitt. Unsere Wirtschaft stagniert dabei, die Reallöhne stehen auf dem Stand von 2019. Die UBS zählt für 2025 die größte Erbenwelle, die je gemessen wurde. Und vor zehn Tagen ist Elon Musk zum ersten Billionär der Geschichte geworden.

Da muss man sich doch empören. Oder? Das tun jedenfalls 81 Prozent der Deutschen gegenüber 61 Prozent weltweit (Edelman Trust Barometer). Leider finde ich Schubladen ausgesprochen langweilige Orte, ich setze mich lieber zwischen die Stühle. Und behaupte, dass hinter den Zahlen zwei ganz verschiedene Vermögensrealitäten stecken, die wir oft in einen Topf werfen: Reichtum und Unternehmertum. (Und Spoiler für meine Handelsblatt-Kolumne am Freitag zu Elon Musk: Ich glaube, es gibt viele Gründe für Kritik, aber seine zwölf Nullen hinter der Eins sind eher am Ende der Liste.)

Unternehmertum setzt etwas aufs Spiel für eine Zukunft, die es noch nicht gibt. Das ist selten glamourös. Häufiger ist es ein Schritt weg von Sicherheit. Neulich habe ich bei der Entrepreneurs’ Organisation sehr persönlich über die Momente gesprochen, in denen ich mich gegen die bekannten Namen, gegen das bequeme “weiter so” in Jobs entschieden habe, die mich selbst nicht mehr überzeugten. Zuletzt in der Leitung des Bundesverbands Deutscher Stiftungen.

Reichtum entsteht dabei nur selten. Die großen Vermögen in Deutschland stammen aus Erbschaften, meist über Generationen bereits. Und sie werden von Profis angelegt, die alles daran setzen, dass die Zukunft so bleibt wie die Gegenwart.

In der öffentlichen Debatte verschwimmen Reichtum und Unternehmertum oft zu einem Feindbild. Und deshalb kann sich die reine Verteidigung hinter dem Ansehen des Wagnisses verstecken. Die Forschung trennt beide schärfer: Die Ungleichheit des Gesamtvermögens hängt nur schwach mit dem Zustand der Demokratie zusammen, aber politisch vernetztes Vermögen schadet der Demokratie (Fagerstrom 2023). Reichtum also, der sich Zugang, Einfluss und Schutz kauft. Der sich hinter einer Lobby verschanzt. Und Brandmauern baut, weil die Feuer der Gegenwart immer näher kommen (Handelsblatt 19.6.2026).

Reichtum braucht kein Unternehmertum. Viel Geld wächst viel sicherer diversifiziert an anonymen Finanzmärkten als mit einzelnen Wagnissen. Aber das ist ein schicksalhafter Pakt. Goethe hat dafür eine Zeile im Faust geschrieben, die nie wichtiger war als heute: ‚Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.' Verantwortung bedeutet, sich von den Vorgaben der Vergangenheit zu emanzipieren und mit Geld Antworten auf die heutigen Probleme zu finden.

Denn Unternehmertum braucht Reichtum. Denn Ideen benötigen Finanzierung. Besonders, wenn sie aus Ecken der Gesellschaft kommen, die keinen natürlichen Zugang zu den Netzwerken haben, in denen normalerweise das Geld verteilt wird. Das gilt besonders für Gründer:innen und Organisationen, die an gesellschaftlichen Problemen arbeiten.

Ich glaube, wir brauchen eine neue Lobby im ursprünglichen Sinne des Wortes: Einen Vorraum der Politik, in dem wir darüber diskutieren, wie wir mehr Vermögen freiwillig für die besten Ideen an die Arbeit bringen, statt sie vor dem Zugriff des Staates zu verteidigen. Im September plane ich dazu gerade einen offenen Prozess: Eine Art Forum Neues Geben nach internationalen Vorbildern wie der Generosity Commission (USA), mit Empfehlungen dazu, wie wir die Rolle von Vermögen in unserer Demokratie neu denken. Als Chance für das Wachstum der wichtigsten Ideen für unser Land.


Club Neues Geben

Wirksames Geben ist eine komplexe und persönliche Aufgabe. Der Club Neues Geben bietet Orientierung durch Vernetzung. Keine teure Beratung. Kein Fundraising.

“Spiel, Spaß UND Schokolade, also das geht wirklich nicht!” An diese alte Werbung für Kinder Überraschung fühle ich mich manchmal erinnert, wenn ich beschreibe, wie bcause Spendenguthaben verzinst: Mit 4% Netto-Zielrendite, mit hoher Sicherheit, Liquidität UND mit positivem Impact.

Und weil Transparenz die Grundlage für Vertrauen ist, erklären wir das gern in unserem öffentlichen Webinar „Impact, Rendite, steuerfrei: Wie wir das Geld bei bcause anlegen“ mit unserem Head of Finance Marvin Wiek und Wiebke Merbeth aus unserem Anlagebeirat. Für alle, die ihr Geld nicht nur weitergeben, sondern schon auf dem Weg dorthin wirken lassen wollen. Und für alle Organisationen, die sich fragen, was mit zugesagten Spenden passiert, bis sie abgerufen werden.


Der Club Neues Geben ist für alle, die sich finanziell fünfstellig pro Jahr engagieren oder engagieren wollen. Schreib gern an katharina.bauch@bcause.com, wenn du dich interessierst oder eine Person kennst, die von unseren Masterclasses und persönlichen Deep Dives profitieren würde. 

Mehr zum Club Neues Geben


Ein Mensch, der mich inspiriert Die NextGen, das unbekannte Wesen

Bild: Mit Ruth von Heusinger und Kai Viehof auf dem Abschlusspanel des DFK26

Wer ist Nextgen, und wenn ja, wie viele? Angesichts Fördermittelkrise und Spendenrückgang sind ihre Großspenden eine große Hoffnung vieler Organisationen. Im vollen Abschluss-Panel des Deutschen Fundraising-Kongresses in Berlin am 4. Juni haben wir vor Deutschlands führenden Fundraiser:innen fünf Einsichten geteilt, die viele überrascht haben:

  1. Wer auf dem Papier reich ist, hat nicht unbedingt Geld flüssig. Vor dem Geben steht oft das mühsame Entfesseln des Wohlstands mit (und manchmal gegen) Familie und Dienstleistern.

  2. Gebende brauchen andere Gebende. Peer-Netzwerke werden die wichtigsten Orte für die Auswahl von Organisationen. Das entzieht sich meist dem direkten Zugriff von Fundraisern.

  3. NextGens denken oft Spenden, Impact Investing und eigenes Unternehmertum zusammen. Sie kommen auf Organisationen zu, wenn sie strategisch passen. Dann auch größere Summen und langfristig.

  4. Auch wenn sichtbares Geben ein großer Hebel ist, brauchen NextGens auch die Option der Anonymität, um sich vor Anfragen und Konflikten zu schützen.

  5. Das gilt besonders, weil das Geben immer politischer wird. Und weil den Vermögenden, mit denen ich spreche, sehr bewusst ist, in welchem öffentlichen Klima sie sich bewegen. Und dass Philanthropie auch immer Teil einer Steuer- und Verteilungsdebatte ist.

bcause für Organisationen

bcause ermöglicht gemeinnützigen Organisationen, Spenden digital zu sammeln, zentral zu verwalten, flexibel abzurufen – und bis dahin zu verzinsen.

Das müsste eigentlich die “Zahl, die im Kopf bleibt” sein, denn sie sorgte beim Deutschland Fundraising-Kongress für viele Rückfragen. Über 530.000 Organisationen sind jetzt auf bcause auffindbar. Wir haben das Zuwendungs-Empfänger-Register auf die Plattform geholt. Damit sparen wir den Organisationen nicht nur eine weitere Registrierung, sondern eröffnen ganz neue Möglichkeiten für Fundraising- und Förderstrategien. Probiert es einfach aus: Auf https://cash.bcause.com/register die eigene Organisation finden und das Profil mit einer berechtigten Person beanspruchen - ohne Kosten oder Verbindlichkeit.

Oder für konkrete Fragen zur bcause-Nutzung einfach einen Online-Termin mit meinen Kolleginnen Nicole und Simone buchen.

Mehr Informationen

Eine Zahl, die im Kopf bleibt 18%

So stark sind die Löhne in einer bestimmten Branche zuletzt gestiegen. Nein, nicht bei den Berater- und Banker-Jobs, die früher die Karriereziele derjenigen waren, die viel Geld verdienen wollten. Nein, es sind die Pflegekräfte, die am schnellsten zulegen. Das ist keine politische Entscheidung. Es ist Knappheit. KI macht Wissensarbeit ungleich produktiver, eine Vertragsprüfung dauert Minuten statt Tage. Die Stunde Pflege bleibt aber eine Stunde Pflege. Ein Streichquartett braucht vier Musiker. Kein ChatGPT kann das ändern.

Was knapp und nicht ersetzbar ist, wird relativ teurer. Der Markt vollzieht damit gerade eine Aufwertung der Sorgearbeit, die vierzig Jahre Care-Politik nicht durchgesetzt haben. Für das Geben heißt das: Wer Geld in Pflege, Erziehung oder Hospizarbeit gibt, finanziert keinen Empfänger am Rand der Wertschöpfung. Er investiert in den Teil der Wirtschaft, dessen Preise systematisch steigen.

Mehr zu meiner Voraussage, dass Arbeit am Menschen im KI-Zeitalter deutlich besser bezahlt werden könnte → Handelsblatt vom 29.5.


Eine Idee zum Weiterdenken Spendenfonds für die Demokratie

Der Spendenfonds Starke Demokratie, den wir gemeinsam mit PHINEO aufgesetzt haben, zeigt etwas Einfaches und Wichtiges: Orientierung hilft, und die Bereitschaft zu geben ist da. Schon zwei Wochen nach dem Start sind über 330.000 € an Spenden zugesagt. Jede/r kann mitmachen.

Und es gibt viele weitere Fonds und Spendenaktionen, die gerade entstehen, darunter der Deutsche Demokratiefonds, die digitalen Stiftungen von Christian Vollmann und Luis Hanemann bis zur Geburtstagsaktion von Axum Berhe.

Aber dieser Erfolg wirft eine größere Frage auf: Welche Rolle sollen private Vermögen in und für unsere Demokratie spielen? Wenn privates Kapital Schulen, Medien, Zivilgesellschaft, soziale Innovationen oder demokratische Resilienz stärkt, ist das mehr als Großzügigkeit. Es berührt Legitimität, Transparenz und die unbequeme Frage, was eigentlich nur der Staat darf. Genau dazu planen wir im September einen größeren Prozess: einen Kreis aus Vermögenden, Wissenschaft, Politik und Unterstützer-Organisationen, der diskutiert, wie privates Kapital für das Gemeinwohl vervielfacht werden kann, ohne demokratische Verantwortung zu ersetzen. Im nächsten Newsletter mehr dazu!


💡 MEHR VON FELIX


Der Erbschaftssteuer-Skandal rund um Familienstiftungen” in Reschke Fernsehen

Meine letzten Handelsblatt-Kolumnen “Warum die Vermögensungleichheit die Gesellschaft spaltet” vom 19.6. und “Schluss mit Krümeln? Wenn der Markt macht, was die Moral fordert” vom 29.5.


📅 Kommende Auftritte:

15.7. United Philanthropy Infrastructure Summit, Washington/DC

-SOMMERPAUSE-

27.8. IHK Berlin “Finanzierung in der sozialen Ökonomie”

8.9. Forum Neues Geben, Berlin

10.9. The Frontier Dinner, Zürich

14.9. Augenhöhe-Forum, Osnabrück → Die inspirierende Geschichte von Gastgeber Karsten Wulf vom Gründer zum Impact-Investor hier auf Spotify

15.9. Brains on Silicon, Dresden

12.10. Jahrestagung Bundesverband Nachhaltiges Wirtschaften

🔍 Needs & Leads

  • A propos Unternehmertum: Für uns als Startup gibt es einen Ort, an dem wir uns seit zwei Jahren immer wieder neu erfinden: Ich empfehle Neupitz (Bild) für Workshops und Retreats. Der Slogan “Work. Lake. Balance” sagt alles. 💻⛵️😎 

  • bcause sucht doppelt Verstärkung: Eine/n Werkstudent/in mit starker Kommunikation und Leidenschaft für unsere Arbeit mit Organisationen. Und eine/n Werkstudent/in für den Ausbau unserer internationalen Netzwerke. Bei Interesse Email an Sophie.Drewitz@bcause.com

  • Unser Verlust, Euer Gewinn: Paul Huizing war bis vor kurzem bcause-CMO und arbeitet jetzt als fractional CMO für Gründer:innen und Teams, die wachsen wollen → LinkedIn

  • Ohne Daten geht nichts: Der Social-Entrepreneurship-Verband SEND bittet um Teilnehme beim Deutschen Social Entrepreneurship Monitor: https://dsem2026.send-ev.de/ Teilnahmefrist: 12. Juli 2026

  • Von mir empfohlen: Julia Singh schafft mit ihrem Format Deep Talks Team-Erlebnisse, die Vertrauen stärken und lange nachwirken. Für purpose-getriebene Teams ab 8 Personen, auf Deutsch oder Englisch.

  • Geschäftsführer/in gesucht: Die AMES Foundation schützt Afrikas gefährdete Habitats - und braucht einen Executive Director für die nächste Wachstumsphase.

Schreibt mir gern mit Euren Needs und Leads.



Felix Oldenburg ist Impulsgeber im Bereich Social Entrepreneurship und Stiftungen. 🔗 Buch "Der gefesselte Wohlstand" hier bestellen 🎧 Oder als Hörbuch beim Joggen, Kochen, Autofahren... 📱Auf Instagram und LinkedIn für tägliche Gedanken und Diskussionsanstöße.

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Felix Oldenburg CEO bcause · Vorstand gut.org · Autor "Der gefesselte Wohlstand"

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In meinem Newsletter spreche ich über Themen, die sonst unerklärt bleiben: Warum Menschen geben oder eben nicht, welche Wege und Irrwege sie gehen, wie der Markt des Gebens funktioniert - in überraschenden Zahlen, mit inspirierenden Porträts und provokanten Ideen.