10/26 Grenzenlos!

Hallo! Du liest Das Neue Geben mit aktuell 7.393 anderen. 📖 Diese Ausgabe vom Montag, 26. Oktober 2026 hat 2.900 Wörter, Lesezeit ca. 12 Minuten

Liebe Lesende,

vor neun Jahren stand ich in Brüssel und habe als Chef des europäischen Stiftungs-Dachverbands eine Idee formuliert, die damals allen im Raum offensichtlich schien: Ein Binnenmarkt für Philanthropie. Gegenseitige Anerkennung der Gemeinnützigkeit, damit eine Spende ins Ausland für die deutsche Steuer zählt. Und umgekehrt. Oder wenigstens eine wachsende Liste geprüfter Organisationen. Denn das Geben endete damals an der Ländergrenze. Heute immer noch. Das führt zu ungeheuren Kosten und Konsequenzen, wie ich heute im Essay schreibe.

Aus der Idee von 2017 wurde eine Forderung der Verbände, sogar eine Gesetzesinitiative. Letztes Jahr ist sie versandet. Aber ich bin kein Lobbyist mehr, der Veränderung von anderen fordert. Als Unternehmer kann ich selbst Alternativen bauen. Und ein bisschen stolz bin ich schon, dass wir das grenzüberschreitende Geben mit bcause ab sofort einfacher und günstiger denn je machen, mit lokalen Spendenquittungen für Einzahlungen aus 20 Ländern, und mit Auszahlungen weltweit (siehe Idee, die mich beschäftigt).

Drei Frauen haben mich besonders inspiriert rund um dieses Thema: Liz McKeon hat schon alles gesehen in der Philanthropie, von USAID über die Ford Foundation bis zur IKEA Foundation. Sie erklärt in einer neuen Podcast-Episode die “Strange World of Cross-Border Giving”. Lily Starling Louis reagiert mit der Gründung von DAF Commons auf die Kritik, dass Donor Advised Funds gegen ihre Mission Milliarden fesseln statt auszuschütten. Weil bcause auch ein DAF ist, haben wir dafür mit der “Flow Rate” einen Indikator entwickelt (siehe Zahl, die im Kopf bleibt). Und Zohra Sandi will mit der Idee einer black-owned Bank die unsichtbaren Grenzen überwinden, die innerhalb von Deutschland vielen Menschen mit Migrationshintergrund begegnen (siehe Mensch, der mich inspiriert).

Mit grenzenlos optimistischen Grüßen,

Felix

✍️ ESSAY: Die Grenzen des Gebens

Bild: Ein deutlich jüngeres und naiveres Ich, Brüssel 2017

Meine Generation ist aufgewachsen in dem sicheren Glauben, dass immer mehr Grenzen fallen, dass die Demokratie sich weltweit durchsetzen und offene Gesellschaften miteinander globale Probleme lösen werden. Noch vor neun Jahren schien es mir nur eine Frage der Zeit, bis der freie Verkehr von Waren, Kapital und Dienstleistungen mindestens in Europa auch die Spenden umfassen würde. Denn weder gesellschaftliche Probleme noch ihre Lösungen enden an Ländergrenzen.

Es ist anders gekommen. Es ist sogar schlimmer geworden. Seit letztem Jahr ist eine Spende an eine Organisation im EU-Ausland in Deutschland nur noch abziehbar, wenn diese im Zuwendungsempfängerregister beim Bundeszentralamt für Steuern steht. Eintragen kann sie sich nur selbst, meist mit Satzungsänderung und mit nachgewiesenem „Inlandsbezug". Was auch immer das heißen soll. Eine Spende aus Deutschland an griechische Musikstudierende: abgelehnt. Außerhalb der EU gilt nicht einmal das. Was gemeinnützig ist, unterscheidet sich zwischen Lissabon und Warschau kaum. Die Großzügigkeit endet trotzdem an der Grenze.

Weltweit ist es ähnlich. Wie wenig deshalb davon übrig bleibt, zeigt ein Vergleich: Von den 617 Milliarden Dollar, die in den USA 2025 gespendet wurden, gingen 33 Milliarden an internationale Zwecke, gut fünf Prozent. Zwar gehen auch viele Spenden aus Deutschland in Projekte im Ausland, aber fast alles davon läuft über deutsche Hilfswerke und die deutschen Ableger internationaler Organisationen. Wie viel direkt dorthin geht, wo das Geld gebraucht wird, wird nicht erfasst. Es dürften kaum ein, zwei Prozent sein. So etwas wäre in der Forprofit-Wirtschaft undenkbar: Von den Aktien der 40 DAX-Konzerne liegen 52,6 Prozent in ausländischer Hand. Kapital ist zur Hälfte international. Geben praktisch nicht. Seit meinem Vorstoß in Brüssel sind die Aktienmärkte (auch inflationsbereinigt) enorm gestiegen. Das Geben über Grenzen ist sogar zurückgegangen.

Was die Umwege kosten, hat niemand beziffert. Die letzte Schätzung im Auftrag der EU-Kommission stammt von 2009: 90 bis 102 Millionen Euro im Jahr allein für europäische Stiftungen. Die Kosten der unzähligen Organisationen, die vor allem dafür gegründet wurden, lokale Spendenquittungen auszustellen, sind darin nicht enthalten. Ein Beispiel ist Hera, von der Liz McKeon mir im Podcast erzählt hat. Die Organisation schützt Frauen im Globalen Süden vor extremer Hitze und gibt es seit diesem Jahr zweimal, in den USA und in den Niederlanden, weil europäische Geber nicht mehr in die USA spenden wollten. Zwei Vorstände, zwei Buchhaltungen, ein Zweck.

Teuer war das Geben über Grenzen schon immer (siehe unten Idee zum Weiterdenken), aber aktuell passiert aber noch etwas, das ich nie für möglich gehalten hätte: Spenden werden in nie dagewesener Weise aktiv politisch behindert. Nicht nur die zweite Trump-Regierung, auch Russland, Indien und eine wachsende Liste weiterer Länder beschränken Geld aus dem Ausland, weil es eine kritische Zivilgesellschaft finanzieren könnte. Die Begründung: Schutz vor angeblichem fremdem Einfluss.

“Autoritäre Regierungen wollen kein unabhängiges Geld. Und sie wollen weniger für Probleme ausgeben, die außerhalb ihrer Grenzen liegen.” Meine Handelsblatt-Kolumne zum Thema vom 23.10.

Mit der Demontage von USAID, der größten Entwicklungsagentur der Welt, ist im vergangenen Jahr die staatliche Entwicklungshilfe der Industrieländer um 23 Prozent gefallen, der tiefste Einschnitt seit Beginn der Statistik. Privates Geld könnte jetzt eine neue Rolle spielen. Es gibt genug davon. Was fehlt, ist der Weg. Insbesondere in den USA fürchten Vermögende, dass ihr Engagement politisch gedeutet wird. Das höre ich mittlerweile auch in Europa. Andere wissen nicht, wie viel von ihrem Geld ankommt. Die wenigsten wollen dafür neue Organisationen gründen. Bei 100 Euro spielt das keine Rolle. Niemand aber gibt 100.000 Euro oder eine Million, wenn vorher einige tausend Euro Beratung und danach mehrere Prozent Gebühr anfallen.

Es ist ein Marktversagen mit schlimmen Folgen für die, die international gegen Armut, Krankheit und Hitze arbeiten. Und in den Spenderländern nähren die kostspieligen Umwege noch den Verdacht, den die Öffentlichkeit sowieso hat: Der Nonprofit-Sektor sei intransparent, ineffizient und langsam.

Aber es bringt nichts, die Lösung des Problems von der Politik zu fordern, soviel habe ich gelernt. Der Sektor muss sich selbst helfen. Dass er es bisher nicht getan hat, liegt auch daran, dass viele gut damit leben. Berater rechnen die Gründung des nächsten Fördervereins ab, Mittler ihre Gebühr, die Finanzverwaltung spart sich die Prüfung ausländischer Satzungen. Und Verbände müssen Rücksicht nehmen auf ihre Mitglieder, darunter viele Organisationen, die es nicht oder nur mit weniger Personal und Budget geben müsste. Das weiß ich aus Erfahrung.

“I have to believe that the future of philanthropy is digital. And that it is borderless. And that it operates at near-zero cost.” Mein Kollege Luke Kincaid bei einem Philanthropie-Roundtable in Zürich im September 2026

Technisch ist das Problem lösbar. Jede Banking-App schickt Geld in Sekunden in Dutzende Währungen. Die Lösung für die europäische Philanthropie wird aber nicht aus dem Silicon Valley kommen. Und auch nicht aus der Schweiz oder Liechtenstein. Kein Land bemüht sich bisher aktiv um Vermögen, das wirken will. Dabei suchen gerade jetzt viele einen Ort dafür: Amerikaner, die ihr Engagement aus der Schusslinie bringen wollen, Unternehmerfamilien mit Mitgliedern in London, Lissabon oder Singapur, die sich in oder aus Deutschland engagieren wollen.

Mehr als noch vor neun Jahren glaube ich, dass es ein politischer No-Brainer wäre, das Land mit der größten Anzahl von Millionären in Europa, den meisten Exporten, ein Land mit einer stabilen Rechtsordnung und mit der Einheitswährung Euro auch zum besten Standort für Vermögen zu machen, die gesellschaftlich wirken wollen. Wenn die Fee vorbeikäme, wäre einer meiner drei Wünsche ein einziger Satz im Gesetz: “Was in einem anderen EU-Staat als gemeinnützig anerkannt ist, gilt auch hier.”

Bis das passiert, leisten wir mit bcause einen kleinen Beitrag dazu, die Kosten unnötiger rechtlicher Hüllen und teurer Weiterleitung zu reduzieren (mehr dazu unten). So idealistisch wie damals in Brüssel bin ich immer noch. Aber heute bin ich dazu noch Unternehmer.


Ein Mensch, der mich inspiriert: Zohra Sandi

Zohra Sandi kommt aus der Westsahara und hat in Deutschland Karriere im Banksektor gemacht, unter anderem im Finanzierungsgeschäft der GLS Bank. Sie hat erlebt, wie die Pflichten und Erwartungen von Banken gerade bei Menschen mit Migrationshintergrund an ihren Bedürfnissen und Realitäten vorbeigehen. Ein Shampoo für Afrohaare muss seinen Markt vor Menschen beweisen, die das Produkt nicht verstehen können. Eigenkapital und Sicherheiten setzen Vermögen voraus, das über Generationen entstanden ist. Eltern, die ein Berufsleben lang Angehörige in zwei Ländern versorgt haben, haben das nicht.

Zohra hat mich auf LinkedIn angeschrieben. Und mich dann im Gespräch beeindruckt. Denn sie will nicht einfach noch ein Förderprojekt gründen. Sondern denkt in Strukturen: einen Black Finance Month, irgendwann eine Genossenschaftsbank im Eigentum der Community, und als ersten Schritt das Diaspora Finance Lab, einen Designprozess unter dem Dach von AiDiA (c/o Business Empowerment Hub) in Hamburg. Mit etwa 100.000 Euro könnte dort die Gründung konzipiert werden. Die Diaspora, sagt Zohra, schickt mehr Geld nach Afrika als die Entwicklungshilfe. Über Geld, das sichtbare und unsichtbare Grenzen überquert, weiß sie mehr als die meisten in meiner Branche.

Hier kann man Zohras Vorhaben mit einer Spende unterstützen. Ich habe schon einmal mit meiner kleinen FO Foundation angefangen.

bcause für Organisationen

bcause ermöglicht gemeinnützigen Organisationen, Spenden digital zu sammeln, zentral zu verwalten, flexibel abzurufen und bis dahin zu verzinsen.

Endlich gibt es eine Alternative für den Förderverein im Ausland: Wer als deutsche Organisation Spenden aus der Schweiz, Österreich oder den USA erhält (oder in die andere Richtung), gründet dafür bisher oft eine eigene Organisation im jeweiligen Land. Über bcause können Gebende aus 20 Ländern jetzt mit lokaler Spendenquittung einzahlen und das Geld an die Zielorganisation weiterleiten. Keine zweite Rechtshülle, kein zweiter Vorstand, keine zweite Buchhaltung.

Für konkrete Fragen zur bcause-Nutzung einfach einen Online-Termin mit meinen Kolleginnen Nicole und Simone buchen. Mehr Informationen

Eine Zahl, die im Kopf bleibt: 80,2 Prozent

Bild: Mit DAF Commons-Mitgründerin Lily Starling Louis und Sid Efremovich in New Jersey, Juli 2026

So hoch ist die Flow Rate bei bcause: der Anteil der Einzahlungen, der seit Gründung bis heute bereits an Organisationen geflossen ist oder in Impact angelegt wurde. Mit diesem neuen Indikator für unsere Mission greifen wir einer Kritik vor, die wir noch nicht erlebt haben, die aber in den USA inzwischen eine große Debatte darstellt.

In Donor Advised Funds liegen dort inzwischen 326 Milliarden Dollar, mehr als drei Millionen Konten, ein Fünftel aller privaten Spenden läuft darüber. Der Steuerabzug fällt sofort an, das Geld wartet. Nach Angaben von DAF Commons ist das angelegte Vermögen eines typischen Fonds zehn- bis zwanzigmal so groß wie das, was er im Jahr ausschüttet. Das ist zwar mehr als bei US-Stiftungen, aber die haben wenigstens ein Ausschüttungsziel von 5%. Erreichen sie es nicht, verlieren sie ihre Steuervorteile.

In Deutschland ist das Bild noch extremer. Hierzulande gibt es keine Vorgaben für Stiftungen, sie können nach ihrem Ermessen und dem ihres Finanzamts und ihrer Stiftungsaufsicht entscheiden, ob und wie viel Geld überhaupt die Tür verlässt, um den Zweck zu erfüllen. Ich habe das schon oft kritisiert. (siehe Rubrik “Ausgegraben” unten)

„Are we actually getting money out the door?" Liz McKeon im Podcast “Das Neue Geben” #61 zum Maßstab für Stiftungsarbeit

DAF Commons ist eine neue Initiative von Fondsinhabern, die diese Kritik ernst nimmt und etwas daraus macht. Sie fordern Reformen, Transparenz über Gebühren und Ausschüttungen, und sie wollen vor allem eines: dass die Milliarden, die auf die Ausschüttung warten, bis dahin wirken. Ihr Ziel sind 50 Milliarden Dollar aus DAF-Vermögen in Impact-Investments.

Mein Gespräch mit Lily im Sommer war der Ausgangspunkt einer internen Debatte bei bcause darüber, wie wir eigentlich messen, ob wir Geld an die Arbeit bringen oder fesseln. Unsere Flow Rate addiert die Allokationen von Spenden an Empfängerguthaben (63%) und den Anteil unserer Vermögensanlage, der in aktive Impact Investments fließt (ca. 50% des aktuell angelegten Vermögens, was 17,2% aller Einzahlungen entspricht). Der Rest ist in liquiden Investments (vor allem grüne ETFs und Cash), damit wir neue Allokationen schnell auszahlen können.

Oder kurz gesagt: 80,2% der Spenden über bcause sind aktiv für die Gesellschaft an der Arbeit. Daran messen wir uns jetzt.

Club Neues Geben


Nichts motiviert so zum Geben wie andere im Umfeld, die es auch tun. Aber wo kann man das sehen? Im Club Neues Geben passiert das im vertraulichen Rahmen in Webinaren. Aus unserer Großspenden-Datenbank, die wir ab jetzt monatlich im Club Neues Geben analysieren, ist mir diesmal eine Zahl aufgefallen: Gut ein Fünftel der großen Spenden auf bcause geht ins Ausland: 2026 bisher 1,29 Mio. € an 32 Organisationen, und mehr als jedes dritte aktive Stiftungskonto war dabei. Der Anteil ist mit 22 Prozent stabil, aber die Richtung hat sich verschoben. Neben globaler Armutsbekämpfung (zB über Effektiv Spenden) und Nothilfe fließt mehr Geld nach Europa, fünfmal so viel wie 2024, etwa für Traumatherapie in der Ukraine oder Ashoka in Polen. Neu sind Kultur- und Medienprojekte im Nahen Osten. Gut 300.000 € gingen direkt an Organisationen mit Sitz im Ausland, ohne deutschen Mittler. Das wird jetzt einfacher und günstiger - wir behalten es im Blick.

Der Club Neues Geben ist für alle, die sich finanziell fünfstellig pro Jahr engagieren oder engagieren wollen. Schreib gern an katharina.bauch@bcause.com.

Mehr zum Club Neues Geben

Eine Idee zum Weiterdenken: Kostengrenze für Spenden

Die Spendenquittung ist ein wertvolles Stück Papier. Immerhin bekommt man dafür in den meisten Industriestaaten (nicht allen, aber das ist eine eigene Geschichte) einen Steuervorteil. In Deutschland kann es bei einer Spende von €100.000 bis zu €45.000 an barer Steuerersparnis wert sein.

Aber das Stück Papier ist auch ganz schön teuer, wenn man genauer hinsieht. Für die Empfängerorganisation. Zumal, wenn sie im Ausland sitzt oder die Spende aus dem Ausland bekommt. Dann erhält sie nämlich keine €100.000, sondern muss davon die Kosten abziehen, die dafür entstehen, dass sie dem Spender überhaupt die Spendenquittung anbieten kann.

“Gründen Sie doch einfach noch einen Verein. Oder eine Stiftung!” Das ist häufig der Rat von Anwälten oder Steuerberatern in diesem Fall. Juristisch richtig, aber ökonomisch absurd. Das kostet Gründung, Vorstand, Buchhaltung, Prüfung und Zeit, und das alles nur, damit am Ende mit der Spendenquittung des eigenen Landes ein Blatt Papier entsteht?

Die Alternative sind Netzwerke, die eine Weiterleitung einzelner Spenden übernehmen. Sie funktionieren so: Jemand spendet im Heimatland an eine lokale Mittlerstiftung, die schickt das Geld an eine weitere Mittlerstiftung im Zielland, und die überweist dann an die dortige Zielorganisation. Drei Transaktionen also statt einer. 2025 lagen die Kosten bei Giving Europe, dem größten solchen Mittlernetzwerk, bei 5% der Spendensumme. Dahinter stehen engagierte Profis. 12.749 Transaktionen haben sie letztes Jahr geschafft. Das sind 12.749 Transaktionen, die vielleicht ohne sie nicht passiert wären. Aber ich kann nicht glauben, dass es ansatzweise der Nachfrage eines Kontinents mit 450 Millionen Einwohnern entspricht.

Seit diesem Monat geht es bei bcause anders. Aus 20 Ländern kann man auf ein Stiftungskonto einzahlen und bekommt die Spendenquittung des Landes, in dem man Steuern zahlt. Von dort fließt das Geld an Organisationen weltweit. Die Kosten liegen bei zwei Prozent. Wir nutzen dafür die Infrastruktur mehrerer Partner, jeweils die günstigsten.

Die Idee dahinter ist größer als ein Produkt-Feature. Wenn Geben so einfach wird wie Überweisen, verschwindet ein Argument, das Großzügigkeit seit Jahrzehnten klein hält: Wer weiß schon, ob und wieviel davon ankommt?

Ich finde, wir sollten darüber nachdenken, ob gegen diesen Einwand nicht eine Kostengrenze für das Weiterleiten von Spenden hilfreich wäre. In der kommerziellen Finanzwelt gibt es dafür intensiven Preiswettbewerb. Und natürlich Transparenz und Regulierung.

“At a cash exchange bureau, if somebody charged us 5% to change our money, we'd probably look elsewhere.” Liz McKeon im Podcast “Das Neue Geben” #61

Übrigens gibt es überhaupt nur eine andere legale Finanztransaktion, die ähnlich teuer ist wie grenzüberschreitende Spenden. Global Remittances, also Rücküberweisungen von Auswanderern in ihre Heimat kosten im Schnitt digital 6,4 Prozent. Hier haben die G8-Staaten 2009 beschlossen, dass das nicht so bleiben darf, und seither sind die Kosten um ein Drittel gefallen. Zeit, dass wir das auch für Spenden ändern.


💡 Lesen, Hören, Anschauen

🎧 PODCAST #61 (englisch): „The Strange World of Cross-Border Giving" mit Liz McKeon. Warum eine Organisation zwei Rechtspersonen braucht, was „dead donors" von „living donors" unterscheidet und warum die Philanthropie bei der Infrastruktur „from a terrible backwards place" kommt. Überall, wo es Podcasts gibt.

📺 TV-PITCH: Beitrag über bcause im n-tv Startup-Magazin vom 2.10.2026

🗞️ Handelsblatt “Sie sind ja eh nur Sozialarbeiterin" (16.10.) mit 17.000 Lesenden am ersten Wochenende: Gemeinnützige Organisationen halten rund 74 Milliarden Euro bei Banken, 45 Milliarden davon auf Sichtkonten, fast ohne Zinsen. Die Lücke zum Marktzins kostet den Sektor etwa 850 Millionen Euro im Jahr, fast ein Fünftel aller privaten Spenden. Mich regt das auf.

🗞️ Handelsblatt: “Drei Gründe, warum das globale Geben an Grenzen stößt” (23.10.): Teuer, langsam und undurchsichtig - eine Branche, die ihr Geld so bewegt wie häufig Nonprofit-Organisationen, darf sich über Kritik nicht beschweren. Woher kommt die Ineffizienz?


📅 Ausgegraben

#3/25, Zahl „421 Millionen Dollar". So viel fehlte der Stiftung von Elon Musk im dritten Jahr in Folge, um die gesetzliche Mindestausschüttung von fünf Prozent zu erfüllen. Die Geschichte war ein Anlass, eine eigentlich gute Regel zu loben: Das Ausschüttungsgebot sorgt dafür, dass US-Stiftungen nicht auf ihrem Geld sitzen bleiben und es risikobereiter anlegen als ihre deutschen Pendants. Dass wir bei bcause die Flow Rate messen, hat hier seinen Ursprung.


🔍 Needs & Leads

🤖 “Herr Nilsson” ist ein Projekt von Anna Alex und Friederike von Waldenfels. Die beiden wollen herausfinden, welche AI-Werkzeuge Naturschutzorganisationen tatsächlich helfen würden, beim Funder-Reporting, im Backoffice, beim Monitoring im Feld. Gebaut wird erst, wenn der Bedarf klar ist. Wer in einer Naturschutzorganisation arbeitet: Der Fragebogen dauert fünf Minuten, www.mrnilsson.ai

🗳️ Felix Silberzahn ist elf Jahre alt und sammelt mit seiner Initiative „Kinder gegen Obdachlosigkeit" seit drei Jahren Sach- und Geldspenden für Housing First, das Obdachlosen eine Wohnung gibt und sie beim Neustart begleitet. Der KiKA hat ihn für den Deutschen Engagementpreis 2026 nominiert, in der Online-Abstimmung liegt er unter den besten zehn Prozent. Das Preisgeld geht komplett an die Obdachlosenhilfe. Hier abstimmen: https://www.deutscher-engagementpreis.de/publikumspreis/nominierte/6934-felix-silberzahn

🥕 Viele Kinder wissen, wie eine Möhre aussieht, aber nicht, wie sie wächst. Dabei liegt der nächste Bauernhof oft nur eine Busfahrt entfernt. Mit „Essen entdecken!“ ermöglicht die Sarah Wiener Stiftung Kita-Kindern besondere Lernerlebnisse auf Bio-Bauernhöfen. Dort erfahren sie mit allen Sinnen, woher unsere Lebensmittel kommen. 2025 konnten bereits 6.450 Kinder aus 258 Kitas kostenlos teilnehmen – finanziert ausschließlich durch Spenden. Damit auch künftig Kinder diese Erfahrungen machen können, fehlen aktuell noch 100.000 Euro zur Finanzierung des Programms.

💙 Wie bleibt man befreundet mit Menschen, die anders denken und anders wählen? Roger Berkowitz, Gründer des Hannah Arendt Center am Bard College, hält die Krise der Demokratie auch für eine Krise der Freundschaft. Darüber spricht er bei Deep Talks, einem Gesprächssalon der Ukrainerin Julia Singh, den ich selbst bereits mehrfach besucht habe - am 6. November 13-15:30 Uhr in der Serpen Gallery in Berlin-Mitte. Tickets hier.

Schreibt mir gern mit Euren Needs und Leads.


Felix Oldenburg ist Gründer und Autor - auf einer Mission für eine Gesellschaft, die Lösungen finanziert statt Probleme zu verwalten. 🔗 Buch "Der gefesselte Wohlstand" hier bestellen 🎧 Oder als Hörbuch beim Joggen, Kochen, Autofahren... 📱Auf LinkedIn und (seltener) Instagram für Gedanken und Diskussionsanstöße. 🔁 TEILE DIESEN NEWSLETTER

Hat dir diese Ausgabe gefallen? 👉 Empfiehl Das Neue Geben weiter und hilf uns, auf 10.000 Lesende zu wachsen. 📮 Feedback? Schreib mir an fo@bcause.com 🔔 Setze diese E-Mail auf die Whitelist, damit keine Ausgabe im Spam landet


Newsletter

Es wird so viel geschrieben. Über alles. Außer über das Geben. Täglich begegnen mir Menschen, die mehr geben wollen und können. Ideen und Organisationen, die einen Unterschied machen.


In meinem Newsletter spreche ich über Themen, die sonst unerklärt bleiben: Warum Menschen geben oder eben nicht, welche Wege und Irrwege sie gehen, wie der Markt des Gebens funktioniert - in überraschenden Zahlen, mit inspirierenden Porträts und provokanten Ideen.