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Club Neues Geben: Masterclass mit Dr. Eckart von Hirschhausen

Club Neues Geben: Masterclass mit Dr. Eckart von Hirschhausen

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Club Neues Geben: Masterclass mit Dr. Eckart von Hirschhausen

Eckart von Hirschhausen im Club Neues Geben: Warum Artenreichtum der größte Hebel für Philanthropie ist – und wie wir jetzt wirkungsvoll handeln können.

3 Minuten

Club Neues Geben Insights: Was ist ein Schmetterling wert? Eckart von Hirschhausens Anleitung zur Rettung der Welt (und von uns selbst)

Artenreichtum ist der eigentliche Reichtum, von dem wir alle leben. Mit dieser These hat Dr. Eckart von Hirschhausen in unserer Juni-Masterclass im Club Neues Geben die oft abstrakte Klimadebatte auf eine fundamentale Frage für Philanthrop*innen heruntergebrochen: Wie bewerten wir, was uns am Leben erhält? Das Gespräch drehte sich nicht um Verzicht, sondern um die klügste Investition, die wir tätigen können: in die unbezahlbare Infrastruktur der Natur. Für alle, die nach dem größten Hebel für ihr philanthropisches Engagement suchen, haben wir die Kernaussagen aus dem Gespräch mit Moderator Felix Oldenburg hier aufbereitet.

Eckart von Hirschhausen (Gesunde Erde Gesunde Menschen) mit Felix Oldenburg (bcause, Club Neues Geben)

Felix: Eckart, du bist den meisten Menschen als Arzt und Komiker bekannt. Heute bist du aber in einer anderen Rolle hier. Welcher?

Eckart: Ich bin hier als Gründer der Stiftung "Gesunde Erde, Gesunde Menschen". Mir ist der Zusammenhang zwischen der persönlichen Gesundheit und der planetaren Gesundheit das wichtigste Anliegen. Wir brauchen Luft zum Atmen, Wasser zum Trinken, Pflanzen zum Essen, erträgliche Temperaturen und ein friedliches Miteinander. Alle fünf Grunddimensionen eines guten Lebens sind akut in Gefahr. Und nichts davon kann aktuell ein Markt regeln, weil unser Wirtschaftssystem die "Externalitäten" – also die Kosten der Zerstörung – komplett ignoriert.


"Ein Baum wird scheinbar wertvoller, wenn man ihn in Bretter sägt, als wenn man ihn wachsen lässt. Das ist so abstrus."


Felix: Du sprichst oft von "Artenreichtum". Warum ist dieser Begriff so zentral für dich?

Eckart: Weil er den unschätzbaren Wert der Natur betont. Ich war kürzlich in Amsterdam und habe Rembrandts "Nachtwache" gesehen, geschützt von Panzerglas für Millionen Euro. Da habe ich mich gefragt: Wenn uns ein 400 Jahre altes Kunstwerk so viel wert ist, was ist dann ein Schmetterling wert? Ein Kunstwerk, das die Natur über 250 Millionen Jahre entwickelt hat und das wir innerhalb unserer Lebenszeit zerstören. Mit jeder Art, die verloren geht, verlieren wir die Innovationen von Millionen Jahren. Die Eibe schenkt uns eines der wichtigsten Chemotherapeutika. Aspirin kommt aus der Weidenrinde. Wir wissen gar nicht, welche Lösungen für unsere größten Probleme wir gerade vernichten.

Felix: Viele Menschen fühlen sich von der Größe der Krise überwältigt. Sie sagen: "Ich bin überzeugt, aber was kann ich konkret tun?" Und wie können wir das Geben sichtbarer und ansteckender machen?

Eckart: Genau das ist der Punkt. In Deutschland herrscht oft die Devise "Tu Gutes, aber rede nicht darüber". Wir brauchen aber einen "Giving Pledge", einen positiven Wettbewerb des Gebens. 80 Prozent des größeren Gebens werden durch Akte des Gebens in unserem unmittelbaren Umfeld ausgelöst. Wir müssen zeigen, was möglich ist. Und die gute Nachricht ist: Die Natur kann sich innerhalb einer Generation restaurieren, wenn wir ihr die Chance dazu geben.

Felix: Wo siehst du die größten Hebel für Philanthropen, die jetzt handeln wollen?

Eckart: Der größte Hebel liegt im Schutz der großen, zusammenhängenden Ökosysteme, dem "Hüftspeck von Mutter Erde" entlang des Äquators. Hier gibt es fantastische Instrumente, bei denen privates Kapital eine entscheidende Rolle spielt:

  1. Den Staat hebeln mit dem Legacy Landscapes Fund: Das ist ein von Deutschland initiierter Fonds, bei dem philanthropisches Kapital durch staatliche Mittel verdoppelt wird. So können wir den Schutz riesiger, unersetzlicher "Legacy Landscapes" für die Ewigkeit sichern. Das ist einer der wirkungsvollsten Mechanismen, die ich kenne.

  2. Direkten Schutz finanzieren mit Organisationen wie der Jocotoco Foundation: Ein deutscher Biologe hat mit dieser Stiftung in Ecuador riesige Flächen gekauft und schützt sie. Durch kluge Kommunikation und wissenschaftliche Arbeit üben sie Druck auf Konzerne aus und verändern ganze Lieferketten.

  3. Infrastruktur und politische Arbeit unterstützen: Organisationen wie Wetlands International leisten unverzichtbare Arbeit beim Schutz von Feuchtgebieten, die für unser Klima und unsere Wasserversorgung entscheidend sind. Und wir müssen den politischen Hebel umlegen, um schädliche Subventionen abzubauen, die immer noch mit Milliarden die Zerstörung der Natur finanzieren.


"Es ist schwer, die Welt ehrenamtlich zu retten, wenn alle sie hauptamtlich zerstören."


Felix: Du sagst, wir müssen "gute Vorfahren" werden. Was treibt dich persönlich an?

Eckart: Meine Generation ist mit dem Gedanken aufgewachsen, das Schlimmste liegt hinter uns. Heute weiß ich: Wir werden von unseren Kindern und Enkeln gefragt werden, was wir getan oder nicht getan haben. Ich möchte, dass sie gut über uns denken. Darum geht es: die Schöpfung, die "Nachtwache" der Natur, für die Nächsten und Übernächsten zu erhalten. Das treibt mich an.

Dr. Eckart von Hirschhausen ist Arzt, Wissenschaftsjournalist und Gründer der Organisation "Gesunde Erde, Gesunde Menschen". Er war Gast im Club Neues Geben, einem geschlossenen Kreis von Menschen, die gemeinsam mehr geben wollen und sich dazu regelmäßig austauschen.

Zum Weiterlesen & Handeln: Eine Auswahl an Links

Die Organisationen & Kampagnen von Eckart von Hirschhausen:

  • Gesunde Erde, Gesunde Menschen: Die von Eckart von Hirschhausen gegründete Stiftung, die den Zusammenhang von Klima- und Gesundheitsschutz in den Mittelpunkt stellt. Zur Spendenseite auf bcause

  • Humor hilft heilen: Seine erste Organisation, die Lachen und Menschlichkeit in die Medizin bringt. Zur Spendenseite auf bcause

  • Kampagne "Echte Leistungsträger": Eine Initiative, die den unbezahlbaren Wert der Natur für unsere Wirtschaft und Gesundheit sichtbar macht. Zur Webseite echte-leistungstraeger

Erwähnte Organisationen & Investment-Möglichkeiten:

  • Legacy Landscapes Fund: Der im Gespräch zentrale Fonds, der privates und öffentliches Kapital für den Schutz von Schlüssel-Ökosystemen bündelt.

  • Jocotoco Foundation: Die in Ecuador tätige Stiftung, die durch Landkauf und kluge Kampagnen den Regenwald schützt.

  • Wetlands International: Eine globale Organisation, die sich dem Schutz und der Wiederherstellung von Feuchtgebieten widmet.

  • Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung: Eine der wichtigsten Forschungsinstitutionen für Biodiversität, in deren Kuratorium Eckart von Hirschhausen aktiv ist.

  • Tropical Forest Forever Fund (TFFF): Ein weiteres im Gespräch erwähntes Instrument zur Finanzierung von Waldschutz. Zur Webseite tfff

  • Nala Earth & Landbanking Group: Von Eckart erwähnte Organisationen, die an der Schnittstelle von Technologie, Finanzen und Naturschutz arbeiten. Nala Earth nala | Landbanking Group thelandbankinggroup

Bücher & Publikationen:

  • "Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben": Das Buch von Eckart von Hirschhausen, in dem er die Zusammenhänge zwischen unserer Gesundheit und der des Planeten erklärt. Zum Buch (dtv) dtv


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Geschrieben von

Katharina Bauch